Jetzt ist es amtlich: Wir sind eine „Bewegte Tagespflege“!

Bewegung neu denken, Selbstständigkeit stärken und Hilfe zur Selbsthilfe ganz praktisch im Alltag umsetzen: Die Seniorentagesstätte Kahl hat sich in den vergangenen Monaten auf den Weg gemacht – und trägt nun ganz offiziell das Siegel „Bewegte Tagespflege“.

Gestartet ist das Projekt am 26. Februar 2026 in Zusammenarbeit mit der IKK classic. Das Ziel: Gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie den Gästen ein neues Verständnis von Bewegung zu entwickeln und zu überlegen, wie Selbstbestimmung und Hilfe zur Selbsthilfe im Alltag noch stärker gelebt werden können.

Dabei ging es nicht darum, einfach ein weiteres Bewegungsangebot in den Tagesablauf aufzunehmen. Vielmehr sollte Bewegung zu einem selbstverständlichen Teil des gesamten Tages werden.

Aus Theorie wird Alltag

Insgesamt fanden vier gemeinsame Arbeitstreffen statt, die von einer Mitarbeiterin der IKK classic moderiert wurden. Nach jedem Treffen gab es konkrete Arbeitsaufträge für das Team. Denn die Theorie sollte nicht in Ordnern verschwinden, sondern möglichst schnell ihren Weg in den Alltag finden.

Gemeinsam wurden deshalb Möglichkeiten und Standards entwickelt: Was können wir verändern? Welche kleinen Rituale können unsere Gäste dabei unterstützen, wieder mehr selbst zu tun? Und wie können wir Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dabei begleiten, diesen neuen Ansatz konsequent umzusetzen?

Manchmal sind es gerade die kleinen Dinge, die einen großen Unterschied machen.

So wird beispielsweise morgens die erste Tasse Kaffee noch eingeschenkt. Danach heißt es: Selbstbedienung! Wer kann, holt sich seine Tasse selbst. Und manchmal unterstützen sich die Gäste auch gegenseitig.

Was zunächst von unseren Gästen durchaus kritisch hinterfragt wurde, ist inzwischen zu einer Selbstverständlichkeit geworden.

„BeTa-LiFe“ – Bewegung, die im Alltag ankommt

Ein weiterer wichtiger Baustein des Projektes ist das Bewegungsprogramm „BeTa-LiFe“. Insgesamt fanden sechs Schulungen für unsere Gäste und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter statt. Dabei ging es nicht nur darum, Übungen kennenzulernen, sondern vor allem darum, Bewegung dauerhaft in den Tagesablauf zu integrieren.

Kraft, Koordination und Gleichgewicht werden regelmäßig trainiert. Daraus entstehen ganz konkrete Bewegungsrituale, die täglich stattfinden.

Und das Entscheidende: Unsere Gäste können die Wirkung selbst erleben.

So kann ein Gast mittlerweile wieder Treppen steigen. Ein anderer Gast, der längere Zeit auf den Rollstuhl angewiesen war, kann inzwischen wieder aus dem Rollstuhl aufstehen und einige Schritte gehen.

Das sind für uns die schönsten Erfolge des Projektes: Wenn Bewegung nicht nur auf einem Trainingsplan steht, sondern dazu führt, dass ein Mensch im Alltag wieder etwas selbst tun kann, was vorher nicht mehr möglich war.

Bewegung endet nicht an der Tür der Tagesstätte

Damit der neue Ansatz auch zu Hause weiterwirken kann, werden von Anfang an die Angehörigen einbezogen. Bereits im Aufnahmegespräch erhält das Thema Bewegung künftig besondere Aufmerksamkeit.

Denn unser Ziel ist nicht, dass unsere Gäste nur während ihres Aufenthalts in der Tagesstätte aktiv sind. Vielmehr möchten wir gemeinsam überlegen: Was kann auch zu Hause weitergeführt werden? Welche Fähigkeiten können im Alltag genutzt und erhalten werden?

So wird aus Bewegung ein Stück mehr Selbstständigkeit.

Bewegung bedeutet mehr als körperliche Fitness

Das Projekt macht gleichzeitig deutlich: Bewegung wirkt ganzheitlich. Sie beeinflusst nicht nur Kraft, Gleichgewicht und Mobilität, sondern auch Wohlbefinden, Selbstvertrauen, soziale Kontakte und die Möglichkeit, den eigenen Alltag möglichst lange selbstbestimmt zu gestalten.

Deshalb soll das Projekt künftig noch weitergedacht werden. Gemeinsam mit weiteren Kooperationspartnern sind Veranstaltungen und Informationsnachmittage zu ergänzenden Themen geplant – beispielsweise rund um Ernährung und Gesundheit.

Ein Konzept mit Zukunft

Die „Bewegte Tagespflege“ soll dabei kein Projekt bleiben, das nach einer bestimmten Laufzeit abgeschlossen ist. Perspektivisch sollen alle drei Seniorentagesstätten des Caritasverbandes Aschaffenburg Stadt und Landkreis e. V. diesen Ansatz umsetzen.

Für die Seniorentagesstätte in Karlstein steht der Start bereits fest: Im kommenden Jahr soll auch dort der gemeinsame Weg zur „Bewegten Tagespflege“ beginnen.

Und noch etwas hat das Projekt gezeigt: Es tut nicht nur unseren Gästen gut – sondern auch dem Team.

Gemeinsam neue Ideen zu entwickeln, Dinge auszuprobieren, Erfolge zu erleben und zu sehen, dass kleine Veränderungen tatsächlich etwas bewirken können, stärkt auch das Miteinander im Team.

„Bewegte Tagespflege“ bedeutet deshalb für uns mehr als ein Siegel. Es ist eine Haltung:
Nicht zu fragen, was jemand nicht mehr kann, sondern gemeinsam zu schauen, was noch möglich ist – und was wir tun können, damit es möglichst lange möglich bleibt.